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Tierwohl-Index in der Schweinezucht: Neue Bewertungssysteme für nachhaltige Haltung

En bref

  • Tierwohl-Index macht Tierwohl in der Schweinezucht messbar und vergleichbar, ohne den Blick für den Einzelfall zu verlieren.
  • Neue Bewertungssysteme kombinieren tierbezogene Signale (z. B. Lahmheit) mit Haltungs- und Managementdaten.
  • Programme wie die Initiative Tierwohl koppeln Kriterien an Finanzierung entlang der Wertschöpfungskette und erweitern Stufen bis Frischluftstall und Auslauf.
  • Nachhaltigkeit wird greifbar, wenn Tiergesundheit, Lebensqualität und Ressourceneffizienz gemeinsam betrachtet werden.
  • Digitale Erfassung, Audits und Praxisleitfäden helfen, Maßnahmen zielsicher umzusetzen und Fehlerquellen zu reduzieren.

Der Druck auf die Schweinehaltung kommt längst nicht nur aus dem Markt, sondern auch aus dem Alltag der Betriebe. Wer heute Tierwohl glaubwürdig belegen will, braucht mehr als gute Absichten. Gefragt sind Bewertungssysteme, die im Stall funktionieren, die Tiergesundheit sichtbar machen und dennoch praxistauglich bleiben. Genau hier setzt der Tierwohl-Index an: Er bündelt unterschiedliche Indikatoren zu einem nachvollziehbaren Bild und erlaubt, Fortschritte über Zeit zu dokumentieren. Gleichzeitig steigt die Erwartung, dass Verbesserungen auch umweltfreundlich und damit im Sinne der Nachhaltigkeit gestaltet sind. Zwischen Tierbeobachtung, Datenpunkten und Siegeln entsteht jedoch eine neue Herausforderung: Wie werden Messwerte fair interpretiert, und wie werden sie in der Schweinezucht so genutzt, dass Artgerechte Haltung und Tierschutz tatsächlich im Stall ankommen? Die Antworten liegen in einer Mischung aus klaren Kriterien, robusten Kontrollen und einer Finanzierung, die Veränderung möglich macht.

Sommaire :

Tierwohl-Index in der Schweinezucht: Warum neue Bewertungssysteme jetzt zentral sind

Ein Tierwohl-Index ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für Entscheidungen. Deshalb muss er so aufgebaut sein, dass er im Tagesgeschäft trägt. In der Schweinezucht treffen komplexe Faktoren aufeinander: Genetik, Fütterung, Klima, Gruppenstruktur und Gesundheitsmanagement wirken gleichzeitig. Ein Index hilft, diese Vielfalt in ein geordnetes Bild zu überführen. Dennoch darf er nicht zu einer simplen Zahl verflachen, denn Lebensqualität entsteht aus mehreren Dimensionen.

Praktisch relevant sind vor allem zwei Perspektiven. Einerseits stehen tierbezogene Indikatoren im Fokus, also Signale am Tier. Dazu zählen beispielsweise Verletzungen, Schwanzläsionen, Verschmutzungsgrad, Atemwegsauffälligkeiten oder Lahmheit. Andererseits spielen ressourcen- und managementbezogene Kennzahlen eine Rolle, etwa Platzangebot, Beschäftigungsmaterial, Lüftungsführung und die Organisation von Tierkontrollen. Erst die Kombination ermöglicht ein belastbares Urteil über Tierhaltung und Artgerechte Haltung.

Warum gewinnt das Thema jetzt zusätzliche Bedeutung? Einerseits verlangen Handel und Gesellschaft nachvollziehbare Kriterien, die über gesetzliche Mindestanforderungen hinausgehen. Andererseits wollen Betriebe vermeiden, in teure Umbauten zu investieren, die später am Markt vorbeigehen. Ein Tierwohl-Index kann hier als „Übersetzer“ dienen: Er macht Stallrealität in klaren, überprüfbaren Größen sichtbar und schafft damit Vergleichbarkeit, ohne die Individualität des Bestandes zu ignorieren.

Tierbezogene Indikatoren: Vom Bauchgefühl zur messbaren Tiergesundheit

Eine konsequente Tierbeobachtung ersetzt keine Daten, aber sie lenkt die Datenerhebung in die richtige Richtung. Wenn ein Bestand wiederholt erhöhte Hautverletzungen zeigt, sind die Ursachen oft multifaktoriell. Deshalb ist es sinnvoll, Indikatoren zu gewichten und mit Kontextinformationen zu verbinden. Außerdem entsteht so ein Frühwarnsystem, das Tiergesundheit nicht erst bei Leistungsabfall sichtbar macht.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Mastbetrieb „Hof Westtal“ arbeitet mit festen Kontrollroutinen. Dabei wird wöchentlich ein standardisierter Score für Lahmheiten erfasst. Gleichzeitig werden Futterumstellungen und Klimadaten dokumentiert. Als die Lahmheitsrate im Frühjahr anstieg, zeigte der Abgleich, dass die Luftfeuchte und die Ammoniakwerte in bestimmten Buchten häufiger aus dem Zielbereich liefen. Folglich wurden Lüftungskurven angepasst und Liegebereiche trockener gehalten. Die Indexwerte verbesserten sich, und zugleich sank der Medikamenteneinsatz. Genau diese Kopplung von Signal und Ursache macht einen Index wertvoll.

Haltungs- und Prozessindikatoren: Tierwohl braucht verlässliche Abläufe

Viele Verbesserungen scheitern nicht am Willen, sondern an instabilen Prozessen. Deshalb berücksichtigen moderne Bewertungssysteme auch die „Betriebsfähigkeit“ von Tierwohl. Dazu zählen klare Verantwortlichkeiten, dokumentierte Maßnahmen und Schulungen. Außerdem ist die Qualität der Tierkontrolle entscheidend: Nicht die subjektive Einschätzung zählt, sondern die konsequente Anwendung festgelegter Kriterien.

Damit wird der Tierwohl-Index auch zu einem Managementinstrument. Wer beispielsweise Beschäftigungsmaterial anbietet, muss dessen Zustand, Zugänglichkeit und Akzeptanz prüfen. Sonst entsteht zwar Aufwand, aber wenig Effekt. Ein Index, der sowohl Bereitstellung als auch Nutzung abbildet, verhindert blinde Flecken. Am Ende steht eine einfache Logik: Tierschutz wird belastbar, wenn er überprüfbar organisiert ist.

Im nächsten Schritt stellt sich jedoch die Frage, wie solche Indizes in Programme, Siegel und Finanzierung übersetzt werden, damit Betriebe nicht allein mit den Kosten bleiben.

Initiative Tierwohl und Haltungsform: Wie Programme Kriterien, Siegel und Finanzierung verbinden

In Deutschland hat sich mit der Initiative Tierwohl (ITW) ein System etabliert, das Tierwohlmaßnahmen in die Breite bringen soll. Entscheidend ist dabei nicht nur das Siegel, sondern die Mechanik dahinter. Betriebe verpflichten sich zu Kriterien, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen. Gleichzeitig erhalten sie eine Kostenkompensation für den Mehraufwand, und zwar über ihre direkten Abnehmer. Diese geben den Mehrpreis entlang der Wertschöpfungskette weiter, bis er bei Handel und Gastronomie ankommt. Dadurch entsteht ein Anreiz, der nicht allein auf Idealismus beruht.

Für die Praxis bedeutet das: Tierwohl wird nicht nur gefordert, sondern auch finanziell ermöglicht. Außerdem profitieren bereits seit Jahren Millionen Tiere pro Jahr von den Programmen, weil viele landwirtschaftliche Betriebe teilnehmen. Diese breite Beteiligung ist relevant, denn sie senkt die Hemmschwelle für weitere Höfe. Wer sieht, dass Kolleginnen und Kollegen erfolgreich umstellen, bewertet das eigene Risiko anders.

Stufenmodell bis Frischluftstall und Auslauf: Was sich am Markt ändert

Das Stufenprinzip wird zunehmend zum Orientierungssystem im Handel. Neben „Stall + Platz“ werden Angebote für „Frischluftstall“ und „Auslauf“ ausgebaut. Verbraucher sollen entsprechende Produktsiegel voraussichtlich ab Mitte 2026 im Lebensmitteleinzelhandel finden. Dadurch verschiebt sich die Nachfrage: Nicht nur Mindeststandards werden sichtbar, sondern auch höhere Haltungsniveaus.

Für Schweinemastbetriebe ist das doppelt relevant. Einerseits steigt die Chance, Mehrleistungen zu vermarkten. Andererseits wachsen die Anforderungen an Nachweis und Kontrolle. Hier kann ein Tierwohl-Index als Brücke dienen, weil er Maßnahmen in messbare Kriterien übersetzt. Zudem lassen sich betriebliche Entwicklungspläne ableiten, etwa in Etappen: erst Beschäftigung und Tierbeobachtung stabilisieren, danach Lüftung und Stallklima optimieren, anschließend Flächen- oder Auslaufkonzepte umsetzen.

Kontrolle, Nämlichkeit und Datenkette: Wo Bewertungssysteme praktisch werden

Ein Programm funktioniert nur, wenn die Tierhaltung überprüfbar bleibt. Daher spielen Audits, Dokumentation und nachvollziehbare Tierbewegungen eine große Rolle. Wenn Ferkel aus einem System kommen und später als Mastschweine in einer höheren Stufe vermarktet werden sollen, braucht es eine saubere Zuordnung. Genau hier wird die sogenannte Nämlichkeit entlang der Kette wichtig. Auch deshalb gewinnen standardisierte Indikatoren an Bedeutung.

Erfahrungsberichte aus Betrieben zeigen, dass Akzeptanz stark von Planbarkeit abhängt. Ein Mastbetrieb aus Schleswig-Holstein betont häufig den wirtschaftlichen Faktor: Maßnahmen müssen sich rechnen. Gleichzeitig berichten andere Höfe, dass Tiere Kriterien wie mehr Platz oder besseres Beschäftigungsmaterial sichtbar „annehmen“. Solche Aussagen ersetzen keine Messung, doch sie erklären, warum Betriebe trotz Aufwand mitziehen. Folglich entsteht ein Wechselspiel aus Motivation, Marktchance und überprüfbarer Leistung.

Als nächstes rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie ein Index fachlich aufgebaut sein sollte, damit er sowohl robust als auch fair bleibt.

Passende Einordnung und Praxisbeispiele sind auch in Fachformaten gut aufbereitet:

Tierwohl messbar machen: Indikatoren, Gewichtung und multivariate Bewertung im Stall

Ein Tierwohl-Index steht und fällt mit der Auswahl der Indikatoren. Zu wenige Kennzahlen führen zu Verzerrungen, während zu viele Kennzahlen die Anwendung erschweren. Deshalb setzen neuere Bewertungssysteme auf Kernindikatoren, die gut erhoben werden können und zugleich einen hohen Aussagewert besitzen. Besonders in der Schweinehaltung haben sich tierbezogene Größen bewährt, weil sie das Ergebnis vieler Einflüsse abbilden.

Wichtig ist zudem die klare Definition: Was gilt als „Lahmheit Grad 2“, was zählt als „Schwanzverletzung“, und wie wird „Verschmutzung“ eingestuft? Ohne präzise Kriterien entstehen Unterschiede zwischen Personen, und der Index verliert an Aussagekraft. Daher sind Leitfäden, Schulungen und Bildreferenzen zentrale Bausteine. Außerdem sollte ein Index so gestaltet sein, dass auch neue Mitarbeitende schnell sicher bewerten können.

Von Einzelwerten zum Index: Warum Gewichtung Transparenz braucht

Gewichtungen sind sensibel, weil sie Prioritäten setzen. Wenn Atemwegsauffälligkeiten stärker gewichtet werden als Hautläsionen, spiegelt das eine fachliche Einschätzung wider. Dennoch muss diese Logik transparent sein, damit Betriebe sie akzeptieren. Außerdem sind Gewichtungen nicht statisch. Sie können sich ändern, wenn neue Erkenntnisse vorliegen oder wenn die Ziele eines Programms angepasst werden.

Ein praxistauglicher Ansatz ist die multivariate Bewertung. Dabei werden mehrere Variablen gemeinsam betrachtet, statt sie isoliert zu interpretieren. Das verhindert Fehlinterpretationen. Beispielsweise kann ein Bestand gute Tageszunahmen zeigen und dennoch Probleme bei Artgerechte Haltung haben, etwa durch Stress und Rangkämpfe. Erst das Zusammenspiel aus Leistungs- und Tierwohlindikatoren zeigt, ob Wachstum mit guter Lebensqualität einhergeht.

Konkrete Indikatoren in der Schweinemast und Zucht: Beispiele, Nutzen, Grenzen

In der Mast werden häufig folgende Signale herangezogen: Verletzungen, Schwanzstatus, Lahmheit, Atemwegsbefunde, Mortalität und Durchfallhäufigkeit. In der Zucht und Ferkelaufzucht kommen zusätzliche Punkte hinzu, etwa Körperkondition der Sauen, Schulterläsionen, Nestbauverhalten sowie Ferkelverluste. Dennoch gilt: Jeder Indikator hat Grenzen. Eine niedrige Mortalität ist positiv, sagt aber wenig über subklinische Erkrankungen aus. Daher braucht es ein Set, das unterschiedliche Ebenen abdeckt.

Außerdem sollte ein Index Maßnahmenorientierung unterstützen. Wenn hohe Verletzungsraten auftreten, muss die Bewertung auf mögliche Stellschrauben verweisen: Gruppengröße, Strukturierung der Bucht, Fütterungsstrategie, Beschäftigung und Klimaführung. Hier zeigt sich die Stärke eines Systems, das nicht nur bewertet, sondern auch Lernpfade anbietet. Folglich wird der Index zu einem Steuerungsinstrument statt zu einem reinen Kontrollwerkzeug.

Indikatorbereich Beispiel-Indikator Erhebung im Stall Typischer Nutzen für Tierwohl-Management
Tierbezogen Lahmheits-Score Beobachtung beim Aufstehen und Gehen, Stichprobe je Bucht Früherkennung von Boden-/Klima-/Fütterungsproblemen, Schutz der Tiergesundheit
Tierbezogen Schwanz- und Ohrläsionen Visuelle Kontrolle, Fotoreferenz zur Einstufung Hinweis auf Stress, Unterbeschäftigung, Rangkämpfe; Ansatzpunkt für Artgerechte Haltung
Haltungsbezogen Beschäftigungsmaterial (Qualität/Verfügbarkeit) Checkliste, Funktionskontrolle, Nachfüllintervalle Reduktion von Verhaltensstörungen; Stärkung von Tierschutz
Prozessbezogen Regelmäßigkeit der Tierkontrolle Dokumentationsprüfung, Verantwortlichkeiten Stabilität im System, bessere Datenqualität für Bewertungssysteme
Nachhaltigkeit Antibiotika-Einsatz (Trend) Bestandsbuch, Auswertung pro Mastdurchgang Wirksamkeitskontrolle von Prävention; Beitrag zu Nachhaltigkeit

Damit solche Indikatoren wirklich helfen, müssen sie in Routinen überführt werden. Genau hier setzt der Praxisblick auf Digitalisierung, Schulung und Umsetzungsmanagement an.

Umsetzung im Betrieb: Tierbeobachtung, Fütterung und Stallmanagement als Hebel für Lebensqualität

Ein Tierwohl-Index verbessert noch keine Tierhaltung. Der Nutzen entsteht erst, wenn aus Ergebnissen konkrete Maßnahmen folgen. Deshalb sind Umsetzungsstrategien entscheidend, die in den Arbeitsalltag passen. Viele Betriebe arbeiten heute mit Wochenplänen: feste Tage für Tierwohlkontrollen, definierte Checkpunkte und kurze Teamabsprachen. Dadurch werden Verbesserungen nicht zufällig, sondern systematisch.

Besonders wirksam ist die Kopplung von Tierwohlindikatoren an zentrale Managementhebel. Dazu gehören Fütterung, Wasserverfügbarkeit, Stallklima, Buchtenstruktur und Beschäftigung. Außerdem ist die Reaktionsgeschwindigkeit wichtig. Wenn ein Trend zu mehr Schwanzläsionen sichtbar wird, zählt jede Woche, weil sich Verhaltensmuster schnell festigen. Folglich muss ein System nicht nur messen, sondern auch klare Auslöser für Maßnahmen definieren.

Fütterung und Tierwohl: Warum Rationen Verhaltensstörungen beeinflussen

Futter ist nicht nur Nährstoffversorgung, sondern auch Verhaltensfaktor. Eine Ration, die Sättigung unterstützt und Magen-Darm-Stabilität fördert, kann Unruhe reduzieren. Daher werden in der Praxis häufig Faserkomponenten, Fütterungsrhythmus und Futterstruktur überprüft, wenn Stressanzeichen auftreten. Gleichzeitig ist Wasser entscheidend, weil Engpässe Aggressionen verstärken können.

Am Beispiel „Hof Westtal“ wurde nach einem Index-Alarm für vermehrtes Beißen eine einfache Kette geprüft: Tränkenippel-Durchfluss, Fütterungszeiten, Fasergehalt und Buchtenstruktur. Dabei fiel auf, dass nach einer technischen Umstellung einzelne Buchten geringere Wasserleistung hatten. Nach der Korrektur sank die Unruhe, und die Läsionsscores verbesserten sich. Solche Fälle zeigen: Tierwohl lässt sich oft mit pragmatischen Checks stabilisieren, wenn die Signale ernst genommen werden.

Beschäftigung, Struktur und Klima: Praktische Maßnahmen für artgerechte Haltung

Beschäftigungsmaterial wirkt nur, wenn es attraktiv bleibt. Deshalb braucht es Standards für Menge, Nachlegen und Positionierung. Außerdem hilft Strukturierung: getrennte Bereiche für Liegen, Fressen und Koten erhöhen die Sauberkeit und reduzieren Stress. Beim Klima sind Temperatur, Luftgeschwindigkeit und Schadgase kritisch. Schon leichte Abweichungen können Atemwegsprobleme fördern, was wiederum Indexwerte verschlechtert.

Eine praxisnahe Liste bewährter Schritte kann Teams entlasten, weil sie klare Prioritäten setzt:

  • Tierkontrolle mit System: feste Uhrzeit, definierte Beobachtungsdauer, dokumentierte Auffälligkeiten.
  • Stallklima prüfen: Luftführung, Feuchte, Zugluftzonen; zudem Schadgasindikatoren im Blick behalten.
  • Beschäftigung aktiv managen: Material nachlegen, Verschmutzung vermeiden, Nutzung beobachten.
  • Fütterung und Wasser als Stressfaktoren: Durchfluss messen, Futterstruktur prüfen, Konkurrenz reduzieren.
  • Kranke Tiere früh separieren: Behandlungsbuchten sinnvoll nutzen, um Gruppendruck zu senken.

Diese Schritte wirken besonders gut, wenn sie an Index-Schwellenwerte gekoppelt werden. Dann wird aus „Gefühl“ ein reproduzierbarer Prozess. Als nächstes rückt die größere Frage in den Vordergrund: Wie lassen sich Tierwohlziele mit Nachhaltigkeit verbinden, ohne Zielkonflikte zu verdrängen?

Wer tiefer in Tierwohlkontrolle und Indikatorlogik einsteigen will, findet viele Praxisbeispiele in Fachbeiträgen:

Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit: Tierwohl-Index als Brücke zwischen Stall, Gesellschaft und Ökobilanz

Nachhaltigkeit in der Schweineproduktion wird oft auf Emissionen reduziert. Allerdings greift das zu kurz, weil Tierwohl und Umweltwirkung sich gegenseitig beeinflussen. Wenn die Tiergesundheit stabil ist, sinken Verluste, und Ressourcen werden effizienter genutzt. Gleichzeitig können tierwohlorientierte Umbauten mehr Platz und damit mehr Bauvolumen bedeuten. Deshalb braucht es Bewertungsansätze, die Zielkonflikte transparent machen und realistische Pfade aufzeigen.

Ein Tierwohl-Index kann hier eine vermittelnde Rolle einnehmen. Er macht sichtbar, wo Verbesserungen im Stall tatsächlich ankommen. Gleichzeitig lassen sich ergänzende Umweltkennzahlen anbinden, etwa Energieverbrauch pro Durchgang oder Nährstoffeffizienz. So entsteht ein Bild, das sowohl umweltfreundlich als auch tiergerecht gedacht ist. Entscheidend ist die Kommunikation: Wenn Betriebe erklären können, welche Maßnahmen welche Effekte haben, steigt die Akzeptanz.

Zielkonflikte konkret: Mehr Platz, mehr Klimaanspruch, mehr Management

Mehr Platz und zusätzliche Funktionsbereiche verbessern häufig die Lebensqualität. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Lüftung und Wärmemanagement. Ein Frischluftstall kann Vorteile bringen, jedoch braucht er ein anderes Konzept gegen Temperaturstress. Deshalb sollten Tierwohlstufen nicht nur über Fläche definiert werden, sondern über das Gesamtpaket aus Klima, Beschäftigung, Hygiene und Gesundheitsmonitoring.

Ein praxisnahes Beispiel ist der geplante Umstieg eines mittleren Mastbetriebs auf ein höheres Haltungsniveau. Der Betrieb kalkuliert die Investition, prüft Genehmigungen und plant eine schrittweise Umsetzung. Zuerst werden Tierkontrollen und Datenqualität verbessert, weil das wenig Kapital bindet. Danach folgt die Optimierung von Beschäftigung und Buchtenstruktur. Erst im dritten Schritt werden bauliche Änderungen umgesetzt. Folglich sinkt das Risiko, weil die ersten Verbesserungen schon Wirkung zeigen und die Belegschaft Routinen aufgebaut hat.

Rolle von Wissenstransfer und Datenbanken: Von der Forschung in die Praxis

In den letzten Jahren haben Netzwerke und Fachstellen den Transfer von Wissen beschleunigt. Leitfäden zur Tierbeobachtung und Sammlungen von Indikatoren helfen, den „Werkzeugkasten“ zu standardisieren. Außerdem bieten Literaturdatenbanken zu Tierwohlindikatoren Orientierung, welche Messgrößen in Haltung, Transport und Schlachtung genutzt werden. Für die Praxis ist das wichtig, weil es Doppelarbeit reduziert und Methoden vergleichbarer macht.

Der Nutzen zeigt sich besonders bei Schulungen: Teams können anhand standardisierter Beispiele lernen, wie Scores zu vergeben sind. Dadurch wird der Index weniger personenabhängig. Zudem können Betriebe leichter mit Auditoren und Abnehmern kommunizieren, weil sie dieselbe Begrifflichkeit nutzen. Am Ende stärkt das die Glaubwürdigkeit von Tierschutz und erleichtert die Vermarktung. Der nächste logische Schritt ist daher die Frage, welche Mindestanforderungen ein Index erfüllen muss, um als fair und robust zu gelten.

Welche Daten braucht ein Tierwohl-Index in der Schweinezucht mindestens?

Sinnvoll ist ein Kernset aus tierbezogenen Indikatoren (z. B. Lahmheit, Verletzungen, Schwanzstatus), ergänzt um Haltungs- und Prozessdaten (z. B. Beschäftigungsmaterial, Regelmäßigkeit der Tierkontrolle). Außerdem sollten Ereignisse wie Futterumstellungen oder Klimaprobleme dokumentiert werden, damit Ursachen erkennbar bleiben. So wird Tierwohl nicht nur bewertet, sondern auch steuerbar.

Wie passt ein Tierwohl-Index zur Initiative Tierwohl und zur Haltungsformkennzeichnung?

Programme wie die Initiative Tierwohl arbeiten mit klaren Kriterien, Kontrollen und einem Siegel. Ein Tierwohl-Index kann diese Anforderungen unterstützen, weil er Indikatoren standardisiert erfasst und Entwicklungen über Zeit sichtbar macht. Dadurch lassen sich Maßnahmen besser begründen, und die Kommunikation mit Abnehmern und Auditoren wird konsistenter.

Woran scheitern Bewertungssysteme in der Praxis am häufigsten?

Häufig sind es unklare Definitionen, uneinheitliche Scorings zwischen Personen und fehlende Routinen. Zudem werden Maßnahmen manchmal umgesetzt, ohne Nutzung und Wirkung zu prüfen, etwa bei Beschäftigungsmaterial. Abhilfe schaffen Schulungen, kurze Checklisten, feste Kontrollzeiten und Schwellenwerte, die konkrete Reaktionen auslösen.

Verbessert mehr Tierwohl automatisch die Nachhaltigkeit?

Nicht automatisch, jedoch oft indirekt. Eine stabile Tiergesundheit senkt Verluste und kann Ressourcen effizienter nutzen. Gleichzeitig können höhere Haltungsstufen mehr Platz und damit neue Anforderungen an Klima, Energie und Management bedeuten. Deshalb ist es sinnvoll, Tierwohlindikatoren mit ausgewählten Umweltkennzahlen zu kombinieren und Zielkonflikte offen zu steuern.

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